Ein Nachruf auf George Michael

Am Sonntag, am ersten Weihnachtsfeiertag ist der britische Popstar George Michael im Alter von 53 Jahren verstorben. Sein plötzlicher, traurig stimmender Tod hat der Welt einen großen Künstler und einen Star mit einem sozialen Gewissen genommen. Neben seiner tollen Musik sprach er sich gegen Ungerechtigkeit und den Irak-Krieg aus.

Er verteilte kostenlose Konzerttickets an Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen des nationalen Gesundheitsdiensts und half beim Sammeln von Spenden für Aids-Organisationen, das Projekt Childline, Palästina, Comic Relief und, in den 80ern, für die streikenden Bergarbeiter. Seine Unterstützung für LGBT-Rechte zeigte sich bei seinen Auftritten 2010 beim Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras in 2010 und 2000 beim Konzert "Equality Rocks" in Washington DC.

George outete sich erst vergleichsweise spät, 1998 als er Mitte 30 war, nachdem er im Rahmen einer verdeckten Polizeiaktion in Los Angeles verhaftet worden war. Aber er wandelte seine Verhaftung um in eine trotzige Verteidigung des Rechtes, schwul zu sein, die ihm öffentliche Zustimmung für seine Aufrichtigkeit gewann. Er parodierte den Vorfall unterhaltsam und perfekt mit dem Song "Outside" und dem begleitenden Video. In den 1980er-Jahren entschied er sich, nicht zu enthüllen, dass er schwul war, weil er eine negative Reaktion von seinen Eltern, Fans, seiner Plattenfirma und vor allem der Boulevardpresse fürchtete. Damals waren die Blätter brutal zu homosexuellen Prominenten. Sie wurden verunglimpft und mit Schmutz beworfen. Schwul zu sein wurde als Skandal und Schande dargestellt. Die Boulevardpresse hat in dieser Zeit viele Karrieren beschädigt.

Das war auch die Ära von Aids, das oft als "schwule Seuche" bezeichnet wurde. Schwule Männer wurden für den tödlichen Virus verantwortlich gemacht. Die öffentliche Stimmung wurde homophober. Homofeindliche Überfälle und Morde stiegen enorm an. Es war eine furchtbare Zeit, schwul zu sein, erst recht für öffentliche Personen.

George war nicht nur ein brillanter Komponist und Sänger, sondern hatte auch ein soziales Gewissen, machte Musik mit einer Botschaft und sammelte viel Geld für gute Zwecke.

Sein Lied "Praying for Time" war 1990 eine bezaubernde, wenn auch verzweifelte Kritik an Armut und Ungerechtigkeit. Er trat nicht im offiziellen Video auf. Es verzichtete auf Tänzer oder sexy Jungen und Mädchen. Das Video war ein schwarzer Bildschirm mit den Lyrics in weißer Schrift. Ganz klar wollte er, dass seine Fans sich auf seine Botschaft konzentrieren und diese verstehen.

Er war auch ein lautstarker Gegner des Irak-Kriegs. Sein "Shoot the Dog" war 2002 eine schonungslose Satire auf George W. Bush und Tony Blair und sein Lied "The Grave" ein Jahr später war eine Klage über vergeudete junge Leben, die im Krieg verloren gehen – bewusst veröffentlicht zum Zeitpunkt der aus seiner Sicht ungerechtfertigten und illegitimen Intervention der Alliierten im Irak. "Shoot the Dog" war ein mutiger Schritt, der ihm Fans im kampflustigen, patriotischen Amerika gekostet hat. Aber er hielt an seinen Prinzipien fest und zeigte seinen Kritikern, dass er kein geistloser, hedonistischer Pop-Schwarm war.

Das Vermächtnis von George Michael ist das eines höchst talentierten Performers, eines Gegners von Ungerechtigkeit und das eines wohltätigen Humanisten. Seine Musik wird über Jahrzehnte weiterleben und Millionen weiterhin Freude und Inspiration bringen. Bravo!

 

Letzte Änderung am Sonntag, 23 April 2017 05:50

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