Der verlogene Kampf der AfD um queere Wählerstimmen

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Die AfD bekämpft bekämpft per Parteiprogramm die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht, will Regenbogenfamilien schlechterstellen als "traditionelle", verlangt die Abschaffung von Antidiskriminierungs-Bestimmungen und will in den Bundesländern verhindern, dass in Schulen das Thema Homosexualität auch nur erwähnt wird. Landtagsabgeordnete der AfD erregen sich gerne über die "Normabweichung" Homosexualität, setzen gleichgeschlechtliche Ehen mit "Kinder-Ehen" gleich oder fordern gar Haftstrafen für sexuelle Minderheiten.

Trotzdem verkauft AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel ihre Partei im Jeanne-d'Arc-Modus als letzte Bastion gegen die Gefahren, denen Schwule und Lesben heute von den "Altparteien" ausgeliefert würden. Am Mittwoch machte sie im südhessischen Städtchen Viernheim erstmals ihre eigene sexuelle Orientierung bei einer Wahlkampfveranstaltung zum Thema: "Ich bin homosexuell", so Weidel nach Angaben der FAZ vor 300 Zuschauern. "Ich bin nicht trotz meiner Homosexualität, sondern auch wegen meiner Homosexualität hier." Der Grund: Nur die AfD thematisiere den Schutz sexueller Minderheiten vor "muslimischen Gangs", die ihrer Meinung nach in Deutschland offenbar ausnahmslos Schwulen und Lesben an den Kragen wollten.

Weidel: AfD ist "einzige echte Schutzmacht für Schwule und Lesben"

Am Mittwoch war auch ein Interview mit Weidel im Rechtsaußen-Blog "Philosophia Perennis" des schwulen Theologen David Berger erschienen, in dem die 38-Jährige die AfD ohne Ironie als "einzige echte Schutzmacht für Schwule und Lesben in Deutschland" bezeichnete. Die Heimat, so Weidel, sei in den Neunzigerjahren viel freier gewesen – man hätte als Schwuler oder Lesbe unbeschwert Hand in Hand durch die deutschen Millionenstädte laufen können. Heute sei wegen Muslimen aber alles schlimmer, auch wenn es dafür keine belastbaren Beweise gibt, wie sie selbst einräumt ("Ich habe natürlich keine Statistik, die diesen Rollback belegen könnte"). Außer Muslimen gibt es nach Ansicht Weidels kein wichtiges Thema für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. Schließlich könne es Schwulen und Lesben "egal" sein, ob sie heiraten dürften oder nicht.

Freilich ist die Taktik keine neue: Bereits in den letzten Jahren hatte die AfD mit ihrer Warnung vor nichtchristlichen Ausländern bei Schwulen und Lesben um Stimmen geworben. Im Berliner Abgeordnetenhauswahlkampf 2016 zeigten die Rechtspopulisten etwa im queeren Nollendorfkiez ein Plakat mit der Aufschrift: "Mein Partner und ich legen keinen Wert auf die Bekanntschaft mit muslimischen Einwanderern, für die unsere Liebe eine Todsünde ist" (queer.de berichtete).

Scharfe Kritik an der AfD kommt insbesondere von den Grünen, die sich gegen die Methode der Rechtspopulisten wehren: "Wir brauchen auch bei Muslimen und Menschen mit Migrationshintergrund mehr Aufklärung und Akzeptanzarbeit, übrigens auch bei den Russlanddeutschen. Aber diese will die AfD an den Schulen ja gerade verhindern", beklagte etwa der Bundestagsabgeordnete Volker Beck am Mittwoch. "Mit Hass wird man Vorurteile nicht bekämpfen. Das ist aber das einzige Rezept, das Frau Weidel anzubieten hat." Gewalt und eine Ideologie der Ungleichheit dürfe man nicht akzeptieren, "weder bei Islamisten noch bei den rechtsextremen Freunden von Frau Weidel oder in der Mitte der Gesellschaft"

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