Kardinal Schönborn: Respekt für Homos

Der Wiener Erzbischof hält eine rechtliche Anerkennung von Homo-Paaren für eine gute Idee. Eine Gleichstellung mit der Ehe müsse aber unbedingt verhindert werden. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat in einem Interview mit dem italienischen Jesuiten-Magazin "Civilta Cattolica" die in Italien gegenwärtig debattierte Einführung von ...

Eingetragenen Lebenspartnerschaften abgelehnt und zugleich Respekt für Homo-Paare eingefordert. Der Kardinal sprach zwar die die Pläne der Mitte-Links-Regierung in Italien nicht direkt an, sagte aber, man müsse es respektieren, wenn Menschen eine Lebensgemeinschaft mit einer Person des gleichen Geschlechts begründen. Es müsse auch nach Möglichkeiten gesucht werden, diese Verbindungen im Zivilrecht abzusichern, so der Kardinal. 

Allerdings deutete Schönborn für die katholische Toleranz enge Grenzen an. Der 70-Jährige erklärte, dass die Kirche bei der Frage der Gleichstellung von Schwulen und Lesben im Eherecht "Non possumus" sagen müsse – das ist die lateinische Phrase für: "Wir können nicht".

Die Nicht-Gleichstellung sei aber laut Schönborn "keine Diskriminierung": "Zu unterscheiden bedeutet nicht zu diskriminieren. Das hindert uns nicht daran, größten Respekt für Paare zu haben, die eine derartige Lebenspartnerschaft eingegangen sind."

Schönborn will in schwule Esszimmer gucken – nicht in Schlafzimmer

Er selbst kenne einen schwulen Mann näher, der früher wechselnde Partner hatte und jetzt in einer stabilen Zweierbeziehung sei. Dies sei für den Mann eine "Verbesserung", so Schönborn – und die Kirche müsse diese Beziehung unterstützen. Zwar müsse gleichgeschlechtlicher Sex weiterhin als Sünde gebrandmarkt werden, die Kirche solle aber "nicht zuerst ins Schlafzimmer, sondern ins Esszimmer schauen".

In der Vergangenheit hatte Schönborn stets die Anerkennung von Homo-Paaren abgelehnt, hat sich in den letzten Jahren aber zunehmend versöhnlich geäußert. Noch 2009 hatte Schönborn die Einführung von Lebenspartnerschaften in seiner Heimat Österreich als "weder für angebracht noch für notwendig" bezeichnet – und apokalyptisch vor "unabsehbaren Folgen für die ganze Gesellschaft" gewarnt (queer.de berichtete).

Letztes Jahr würdigte er allerdings angesichts der Sondersynode zu Familie und Sexualität in Rom gleichgeschlechtliche Partnerschaften, "die auf lebenslanger Treue und gegenseitiger Sorge beruhen" (queer.de berichtete). Damit galt er in der katholischen Debatte als einer der liberalen Stimmen. (dk)

gefunden bei: queer.de

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